Trump und der Friedensnobelpreis
Vom Friedensstifter zum Kriegspräsidenten
Wir wissen es mittlerweile alle: Donald J. Trump hat den Friedensnobelpreis nicht bekommen, und das Nobelpreiskomitee hat später aus gutem Grund klargestellt, dass dieser Preis weder aberkannt noch weitergereicht werden kann (letztlich hat ihn die Preisträgerin Maria Corina Machado trotz der Klarstellung des Nobelpreiskomitees bei einem Besuch im Weißen Haus an ihn übergeben). Nachdem er zunächst nicht persönlich auf die Nicht-Verleihung des Preises reagiert hatte, erklärte er im Januar 2026 in einem dem Vernehmen nach „wirren“ Brief an den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Store, sich nicht mehr nur dem Frieden verpflichtet zu fühlen, nachdem sein Land ihm den Friedensnobelpreis vorenthalten habe (völlig ungeachtet der Tatsache, dass die norwegische Regierung keinerlei Einfluss auf dessen Vergabe hat). Etwa sieben Wochen später begann dann der us-amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran (s. dort Artikel „Noch ein neuer Krieg – Zementierung einer neuen Weltordnung?“), der auch heute, am 3. April 2026, unvermindert andauert. Obwohl er erst vor zwei Tagen in seiner Rede zur Lage der Nation vor beiden Häusern des Kongresses erklärt hat, der Krieg werde „in zwei, drei Wochen beendet“ sein und der Iran werde bis dahin „in die Steinzeit zurückgebombt“ werden, „wo er hingehört“, weiß heute niemand, wie lange dieser Krieg noch andauern, wie viel Elend er noch hervorrufen und welche Folgen er für die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Welt haben wird. Die sich heute stellende Frage ist: War diese Entwicklung der US-Politik absehbar, folgt sie gar einem langfristigen Konzept und sind die Trump'schen Bemühungen um den Friedensnobelpreis einfach nur Ausfluss und Ausdruck eines maßlos übersteigerten Egos und Narzissmus?
Die Nationale Sicherheitsstrategie der USA
Im November 2025 hatte die Trump-Administration eine neue „Nationale Sicherheitsstrategie“ veröffentlicht. In meinem Grußwort zu Weihnachten und zum Jahreswechsel 2025/26 hatte ich bereits einen Link auf eine von mir entdeckte deutsche Übersetzung dieses Dokuments eingestellt und angekündigt, es kommentieren und diese Kommentare anschließend auf diesen Seiten veröffentlichen zu wollen. Als ich mich im Januar 2026 an die Arbeit machte fand ich, dass es in diesem Text eine Vielzahl von Anmerkungen anzubringen gab. Um den Zusammenhang zwischen den Textstellen und den Kommentierungen unmittelbar deutlich zu machen entschloss ich mich, diese unmittelbar in Gestalt von Notizen in das originale PDF-Dokument einzufügen. Leider musste ich nach Abschluss der (durch verschiedene Umstände immer wieder verzögerten) Arbeit feststellen, dass diese Notizen in anderen Readern als dem von mir verwendeten PDFPlus nicht bzw. (bei größerem Umfang) nicht in voller Länge angezeigt werden. Daher entschloss ich mich, alle Anmerkungen noch einmal in einem gesonderten Dokument zusammenzufassen und die Notizen in der Ursprungsdatei durchzunummerieren, um eine zweifelsfreie Zuordnung zu ermöglichen.
Mir ist bewusst, dass ich meinen Lesern hier eine Menge zumute, insbesondere wenn Ihnen kein Gerät mit einem größeren Display zur Verfügung steht, auf dem man die Dateien in zwei nebeneinander gelegten Fenstern betrachten kann. Dennoch denke (und hoffe) ich, dass sich wirklich an dieser Materie Interessierte dieser Mühe unterziehen werden. Sie können also einmal das Originaldokument (mit den als Notizen eingefügten Kommentierungen) und zum anderen – bei entsprechendem Bedarf – zusätzlich meine „persönlichen Anmerkungen“ abrufen.
Versuch einer Einordnung: Viele Aussagen in diesem Dokument sind für jemanden äußerst schwer zu ertragen, der immer noch davon überzeugt ist, dass die Demokratie, wie sie sich nach den Wirren und Schrecken des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges speziell in Deutschland etabliert hat, trotz aller zutage tretenden Schwächen eine der besten Regierungs- bzw. Staatsformen der Welt ist. Wirklich erschreckend ist für mich das Selbstverständnis der USA, das in diesem Dokument zum Ausdruck kommt; es stellt aus meiner Sicht einen extrem schlimmen Rückfall in die Ideen von Feudalismus und Imperialismus dar.
Nachdem ich mich selbst immer wieder über die eingetretenen Verzögerungen bei der Kommentierung dieser Aussagen geärgert hatte, habe ich sie am Ende sogar eher als einen Glücksfall betrachtet; der Ausbruch des Iran-Krieges lässt viele der Ausführungen in dem Abschnitt über den Nahen Osten in einem ganz anderen Licht erscheinen als ich es vor diesem Zeitpunkt gesehen hätte. Insgesamt hat sich mir der Eindruck aufgedrängt, dass die Ziele dieser Sicherheitsstrategie eher kurz- als langfristig angelegt sind bzw. die langfristigen Folgen der skizzierten Strategien häufig nicht oder nur unzureichend bedacht sind. In einigen Fällen drängt sich gar der Eindruck auf, sie könnten der nationalen Sicherheit der USA eher abträglich als förderlich sein. Trotz aller Beteuerungen mag man der Trump-Administration den Friedenswillen nicht so recht abnehmen: zum einen stellt die bloße Abwesenheit bewaffneter Konflikte nicht schon wirklichen Frieden dar (es sei etwa an die durch Trumps Zollpolitik ausgelösten Handelskonflikte erinnert, die in der Fachwelt gelegentlich durchaus auch als „Handelskrieg“ bezeichnet werden, oder auch an die Spannungen, die durch seine auf Grönland gerichteten Begehrlichkeiten ausgelöst wurden), zum anderen finden sich in diesem Papier durchaus auch Hinweise auf geplante oder jedenfalls künftig nicht ausgeschlossene kriegerische Handlungen der USA: Auch ein Angriff auf Irak wird bereits angedeutet.
Friedensnobelpreis: Lässt Trump jetzt die Hosen 'runter?
Update vom 08.09.2025: Dieser Artikel war erst gut 36 Stunden hochgeladen, da gab es in dieser Sache schon eine weitere Meldung, von der man sich ernsthaft fragen muss, ob sie bereits die nächste Eskalationsstufe darstellt – und die Sorgen und Spekulationen über Trumps innenpolitische Pläne noch einmal erheblich verstärken muss. Am Abend des 7: September 2025 (MESZ) wurde die Meldung verbreitet, Trump drohe der (von den Demokraten regierten) im US-Staat Illinois gelegenen Großstadt Chicago mit dem Einsatz von Truppen des soeben von ihm umbenannten „Kriegsministeriums“. O-Ton Donald Trump auf seiner eigenen Social-Media-Plattform Truth Social: „Chicago wird bald herausfinden, warum es das Kriegsministerium heißt.“
Statt meiner Meinung hierzu lasse ich den (ebenfalls den Demokraten angehörenden) Gouverneur des Bundesstaates, J.B. Pritzker, zu Wort kommen, weil ich es keinesfalls besser ausdrücken könnte: „Der Präsident der USA droht damit, gegen eine amerikanische Stadt in den Krieg zu ziehen. Das ist kein Witz. Das ist nicht normal.“, postete er auf Elon Musks Onlinedienst X. Und weiter: „Illinois wird sich von einem Möchtegern-Diktator nicht einschüchtern lassen.“
Donald J. Trump, 45. und nunmehr 47. Präsident der USA, dürfte von Psychologen vermutlich als ein unverbesserlicher Narzisst eingestuft werden. Der möglicherweise durchaus berechtigten Frage, ob ein Mensch mit einer solch' ausgeprägten Persönlichkeitsstörung überhaupt für dieses Amt geeignet ist, mögen berufenere Akteure im WorldWideWeb nachgehen. Wichtig ist hier, dass sich dieser Narzisst gerne mit dem Friedensnobelpreis geschmückt sehen möchte – möglichst schon mit dem des Jahres 2025. Mindestens zwei Nominierungen hat er hierfür schon eingeheimst: die seiner republikanischen Parteifreundin Claudia Tenney und die des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.
Schon inhaltlich könnte man gegen die Verleihung dieses Preises an den 47. US-Präsidenten durchaus Bedenken geltend machen. Zu denken wäre hier etwa an seine Vorstellung, den Gaza-Streifen von seiner palästinensischen Bevölkerung zu befreien und zu einer „Riviera des Nahen Ostens“ zu machen (wobei Benjamin Netanjahu hierin vermutlich keinerlei Hindernis sehen würde). Oder daran, dass er zwar vor Beginn seiner zweiten Amtszeit mehrfach angekündigt hat, den Krieg in der Ukraine „innerhalb von 24 Stunden“ beenden zu können, es aber trotz eines „Friedensgipfels“ mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und trotz (oder möglicherweise gerade wegen) einer weitgehenden Übernahme von dessen Positionen einfach nicht hinbekommt, auch nur einen bedingungslosen Waffenstillstand zu erreichen (s. hierzu ausführlich den Artikel „Trump, Putin und der Frieden in der Ukraine“ auf dieser Webseite). Im Gegenteil scheint man dort momentan eher weiter vom Frieden weg als ihm auch nur einen Millimeter näher gekommen zu sein.
Nun aber gibt es eine Entwicklung, die auch ganz formal ein Hindernis darstellen könnte, Trump die von ihm so sehr gewünschte Auszeichnung tatsächlich zu verleihen: Am 5. September 2025 hat er ein Dekret (eines von unzähligen seit Beginn seiner zweiten Amtszeit, aber sicherlich eines der bemerkenswerteren) unterzeichnet, mit dem er die Umbenennung des US-Verteidigungsministeriums in „Kriegsministerium“ verfügt. Zwar muss der US-Kongress dieser Umbennung noch zustimmen; da seine republikanische Partei aber in dessen beiden Kammern über eine – wenn auch knappe – Mehrheit verfügt (und er etwa zu einer anderen Entscheidung als der von ihm gewünschten neigende Abgeordnete geschickt unter Druck zu setzen versteht), dürfte ihm eine Absegnung dieser Entscheidung wohl eher nicht verweigert werden.
Zwar ist der Name „Kriegsministerium“ für dieses Ministerium keineswegs neu; man könnte ihn im Gegenteil eher als „historisch“ bezeichnen – schließlich hieß es schon von 1789(!) bis 1947 so. Dennoch gibt es zwei Details, die aufhorchen lassen (müssen[?]). Zum einen ist das die Begründung, mit der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Umbennung in „Verteidigungsministerium“ erfolgte: im (gerade angebrochenen) Atomzeitalter sollte signalisiert werden, dass der Schwerpunkt der Arbeit des Ministeriums eher auf der Verhinderung von Kriegen liegen solle. Zum anderen ist es eine Einlassung Donald Trumps selbst bei der Präsentation des Dekrets: „Verteidigung ist viel zu defensiv, und wir wollen zwar defensiv sein, aber wir wollen auch offensiv sein, wenn es sein muss, daher erschien mir das einfach als besserer Name.“ (Zitat aus „Tagesspiegel online“ vom 05.09.2025).
Meine Meinung: Lässt Donald J. Trump jetzt einfach nur „die Hosen 'runter“ und zeigt sein wahres Gesicht? Immerhin wollte er zu Beginn seiner jetzigen Amtszeit Kanada zum 51. Bundesstaat der USA machen, Grönland notfalls mit Gewalt besetzen und den Panama-Kanal wieder unter die territoriale Kontrolle der USA bringen. Das könnte sein, aber wie lässt sich das mit seinem Wunsch in Einklang bringen, den Friedensnobelpreis verliehen zu bekommen? Ein geradezu furchtbarer Verdacht keimt in mir (nein, schlimmer noch: er drängt sich geradezu auf, nach all' dem Wirren, das bisher in dieser Zeit passiert ist): Ist dieser Mann nicht nur ein – immerhin schon extrem – selbstverliebter Narzisst, ist er nicht vielmehr im Grunde mit dieser Selbstverliebtheit und der offensichtlichen Sprunghaftigkeit seiner Entscheidungen psychisch so instabil, dass seine Fähigkeit zur Führung eines Staates (und noch dazu eines so großen und mächtigen wie der USA) in Frage gestellt werden muss? Mir graut es bei der Vorstellung, was dieser Mann so alles möglich machen könnte – werden die USA in einem völlig neuen Sinne (in einem, den sich niemand wirklich wünschen kann) zu einem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“? Ich hoffe es nicht. Den Friedensnobelpreis sollte Donald J. Trump jedoch keinesfalls erhalten; sollte er ihn doch erhalten, würde ich jeder weiteren Person oder Institution, der er verliehen werden soll, nicht nur das Recht erteilen, sondern sogar die moralische Pflicht auferlegen, ihn abzulehnen. Er wäre mit dieser Verleihung seines Sinnes vollständig beraubt!
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